Archiv der Kategorie: Anekdoten

Geschichten und Anekdoten

Album der Missionare

Lieber Bruder Gebauer,

es ist mir eine Ehre, mein Andenken an Ihre liebe Frau in Worte zu fassen. Ihre Taten versetzen einen in Erstaunen. Sie war ein großartiges Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und eine treue Missionarin.

Als ich Schwester Gebauer das erste Mal begegnete, hatten meine Frau und ich gerade erst unsere Mission angetreten. Sie wollte mich nur wissen lassen, dass sie bereit sei, eine musikalische Fireside für den Pfahl München und insbesondere für die Freunde der Kirche auf die Beine zu stellen, die von unseren Missionaren betreut werden. Sie war unglaublich begeistert und beharrlich. Mir dämmerte langsam, wie erstaunlich sie war. Ihre Begeisterung war überaus ansteckend; nie hörte sie auf zu lächeln oder anderen Gutes zu tun.

Im Verlauf der nächsten zweieinhalb Jahre zauberte es auch mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn mir wieder einer der zahlreichen Berichte über ihre Missionsarbeit zugetragen wurde. Eine wahrlich erstaunliche Missionarin! Schwester Gebauer hat verinnerlicht, was Elder M. Russel Ballard bei der Herbst-Generalkonferenz 2013 zum Ausdruck brachte:

„Wenn Sie dauerhaft Liebe und Hoffnung in sich tragen, gilt Ihnen die Verheißung des Herrn: ‚Erhebt eure Stimme zu diesem Volk; sprecht die Gedanken aus, die ich euch ins Herz geben werde, dann werdet ihr vor den Menschen nicht zuschanden werden.‘“

Wir alle wissen, dass Schwester Gebauer in diesem Leben nicht vor den Menschen zuschanden wurde, und ich bin mir sicher, dass dies auch auf der anderen Seite des Schleiers nicht der Fall ist. Sie war durch und durch eine Jüngerin Christi und seinem Evangelium, das sie von ganzem Herzen geliebt hat, treu ergeben. Mögen wir alle bereit sein zu geben wie sie von sich gegeben hat. Wir haben sie sehr ins Herz geschlossen.

Präsident Richard L. Miles

Album der Missionare weiterlesen

Teresa im Segelflugzeug

Als ich Teresa kennengelernt habe, war ich noch aktiver Segelflieger. Eines Tages – es muss kurz nachdem wir geheiratet hatten gewesen sein – lud ich sie ein, zum Flugplatz mitzufahren und zusammen mit ihr im Segelflugzeug zu fliegen. Es war ihr erstes Flugerlebnis dieser Art. Wir starteten im Doppelsitzer an der Winde, und Teresa saß hinter mir. Da ich wusste, dass Passagieren im Segelflugzeug oftmals übel wird, hatte ich ihr vor dem Start einen Kaugummi gegen Reisekrankheit gegeben. Damit, so hoffte ich, würde sie diesen ersten Flug problemlos überstehen können. Einige Minuten nach dem Start – ich war gerade damit beschäftigt, Höhe zu gewinnen – fragte ich sie, wie es ihr gehe, erhielt von ihr jedoch keine Antwort. Erstaunt blickte ich mich um und stellte fest, dass sie kraftlos in den Gurten hing und kein Lebenszeichen von sich gab. Von Panik ergriffen zog ich die Bremsklappen, flog so schnell ich konnte wieder zum Flugplatz zurück und landete. Vorher hatte ich die anderen per Funk über den Notfall informiert. So schnell wir konnten, zogen wir Teresa aus dem Flugzeug und betteten sie unter die Tragfläche, wo sie im Schatten liegen konnte. Ein junger Medizinstudent leistete ihr erste Hilfe, und so kam sie zum Glück bald wieder zu Bewusstsein und erholte sich rasch.

Sie berichtete, dass sie kurz nach dem Start wie gelähmt war und sich weder bewegen noch sprechen, wohl aber hören konnte. Offenbar hatte der Wirkstoff in dem Kaugummi bei ihr eine allergische Reaktion ausgelöst, die zu diesen höchst beunruhigenden Symptomen geführt hatte. Wie sich später herausstellte, war sie beispielsweise auch gegen Aspirin allergisch. Auf weitere gemeinsame Flüge verzichtete ich nach diesem dramatischen Erlebnis lieber.

Ich gehörte zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Kirche an. Der junge Medizinstudent, der Teresa so selbstlos und schnell geholfen hatte, kam wenige Wochen später bei einem tragischen Segelflugunfall ums Leben. Darüber war ich tieftraurig, und während ich an den Bestattungsfeierlichkeiten teilnahm, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ich bin heute davon überzeugt, dass dieses Erlebnis ein Schlüssel dafür war, mich wenig später, als sich mir die Gelegenheit bot, intensiv mit dem Evangelium zu befassen und mich schließlich im Juli 1988 taufen zu lassen.

Teresas Gesundheit war zart und verwundbar. Das sollte sich später – leider – noch bei anderen Gelegenheiten zeigen.

Teresa sonntags in China

Teresa ist ein paar Mal zu Familienforschungszwecken nach China gereist. Ihre Familie stammt ursprünglich aus Wuhan in der Provinz Hubei. Nun ist Wuhan zwar eine sehr große Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern, doch gab es zum Zeitpunkt ihres Aufenthaltes dort keine Gemeinde der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Am Samstag rief sie mich an und meinte, sie wolle es nicht akzeptieren, am Sonntag untätig im Hotel herumzusitzen. Sie hatte den Plan, ein Flugticket zu kaufen und am Sonntag in aller Frühe nach Peking zu fliegen, um die Versammlungen der dortigen Gemeinde zu besuchen. Am Nachmittag wollte sie wieder nach Wuhan zurückkehren. Sie setzte den Plan auch zielstrebig in die Tat um und konnte tatsächlich am Sonntag in Peking am Abendmahl teilnehmen. Fast wäre sie noch zu spät gekommen, weil der Taxifahrer die Adresse nicht gleich fand. Dankbaren Herzens betrat sie während des Anfangslieds die Kapelle und erneuerte an diesem Sonntag wierum ihren Bund mit dem Herrn. Das war ihr so wichtig, dass sie hierfür eine Flugreise über mehr als 1000 km in Kauf nahm.